
ABS vs PLA ist eine der häufigsten Fragen, wenn du mit dem 3D-Druck anfängst. Beide Kunststoffe gehören zu den Klassikern, doch sie verhalten sich sehr unterschiedlich. In diesem Vergleich erfährst du, wo die Unterschiede liegen und welche Einstellungen du brauchst. Außerdem zeigen wir dir, wann du zu welchem Filament greifen solltest.
Was sind ABS und PLA?
ABS steht für Acrylnitril-Butadien-Styrol. Der Kunststoff basiert auf Erdöl und steckt in vielen Alltagsprodukten, zum Beispiel in Gehäusen, Spielzeugsteinen und Autoteilen. Er ist zäh, schlagfest und hält deutlich mehr Wärme aus als PLA.
PLA heißt ausgeschrieben Polylactid, auf Deutsch Polymilchsäure. Hersteller gewinnen es aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke oder Zuckerrohr. Weil es sich so leicht verarbeiten lässt, startet fast jeder Einsteiger damit. Alle Details findest du in unserem Ratgeber zu den Eigenschaften von PLA.
ABS vs PLA: die Unterschiede in der Tabelle
Bevor wir ins Detail gehen, siehst du hier beide Materialien direkt nebeneinander:
| Eigenschaft | ABS | PLA |
|---|---|---|
| Drucktemperatur (Düse) | 220 – 250 °C | 185 – 220 °C |
| Druckbett | 90 – 110 °C (Pflicht) | 0 – 60 °C (empfohlen) |
| Hitzebeständigkeit | ca. 85 – 100 °C | ca. 55 – 60 °C |
| Dichte | ca. 1,04 – 1,05 g/cm³ | ca. 1,24 g/cm³ |
| Verzug (Warping) | hoch | sehr gering |
| Geruch beim Drucken | deutlich, stechend | kaum, leicht süßlich |
| Zähigkeit | zäh, schlagfest | hart, eher spröde |
| Nachbearbeitung | gut schleifbar, mit Aceton glättbar | schleifbar, aber nicht mit Aceton |
| Gehäuse nötig | empfohlen | nein |
Hitzebeständigkeit: klarer Punkt für ABS
Der größte Unterschied liegt in der Wärme. PLA wird schon ab etwa 55 °C weich. Ein Teil im Sommer hinter der Autoscheibe verformt sich deshalb schnell. ABS bleibt dagegen bis rund 85 °C formstabil. Für Halterungen im Auto, Teile am Motorgehäuse oder Lampenfassungen ist ABS daher die bessere Wahl. Mehr Alternativen findest du im Beitrag über hitzebeständige Filamente.
Festigkeit und Zähigkeit
PLA ist hart und steif, allerdings auch spröde. Wenn du ein PLA-Teil stark biegst, bricht es eher, als dass es nachgibt. ABS ist dagegen etwas weicher und deutlich schlagzäher. Es verformt sich zunächst, bevor es reißt. Für Schnappverschlüsse, Clips und Funktionsteile unter Stoßbelastung punktet also ABS.
Druckbarkeit: klarer Punkt für PLA
Beim Drucken dreht sich das Bild. ABS schrumpft beim Abkühlen stärker, sodass sich Ecken vom Druckbett lösen. Dieses Warping kann dir einen langen Druck ruinieren. PLA schrumpft dagegen kaum und haftet zuverlässig. Gerade Anfängern raten wir deshalb zu PLA.
Geruch und Gesundheit
ABS setzt beim Drucken Styrol-Dämpfe und feine Partikel frei. Der Geruch ist stechend und in Wohnräumen unangenehm. Stelle den Drucker daher in ein Gehäuse mit Abzug und lüfte regelmäßig. Tipps dazu findest du im Ratgeber zu Gerüchen beim ABS-Druck. PLA riecht dagegen kaum, trotzdem solltest du auch hier lüften.

ABS vs PLA beim Drucken: die richtigen Einstellungen
Für einen fairen Vergleich brauchst du für jedes Material passende Werte. Beachte jedoch immer die Angaben auf deiner Spule, denn jede Mischung verhält sich etwas anders.
ABS drucken:
- Düse: 230 – 250 °C, je nach Hersteller.
- Druckbett: 95 – 110 °C, damit die erste Schicht sicher haftet.
- Lüfter: aus oder höchstens 20 %, weil zu viel Kühlung Risse verursacht.
- Bauraum: geschlossenes Gehäuse ohne Zugluft.
- Haftung: Kapton-Tape, PEI oder ein Brim helfen gegen hochstehende Ecken.
PLA drucken:
- Düse: 190 – 215 °C.
- Druckbett: 50 – 60 °C.
- Lüfter: ab der zweiten Schicht auf 100 %.
- Bauraum: offen, ein Gehäuse brauchst du nicht.
Hebt sich die erste Schicht trotzdem ab? Dann hilft dir unser Ratgeber Wieso haftet mein Filament nicht auf dem Druckbett. Tiefer in das Thema ABS steigst du mit unserem ABS Filament Ratgeber ein.
Vorteile und Nachteile im Überblick
Viele suchen gezielt nach den Vorteilen von ABS Filament. Damit du alles auf einen Blick hast, hier die wichtigsten Punkte:
- ABS Vorteile: hitzebeständig, schlagzäh, leicht, gut schleifbar und mit Aceton glättbar.
- ABS Nachteile: starkes Warping, Geruch beim Druck, Gehäuse nötig, nicht UV-stabil.
- PLA Vorteile: sehr einfach zu drucken, detailgenau, kaum Geruch, aus nachwachsenden Rohstoffen.
- PLA Nachteile: wenig hitzebeständig, spröde, für den Außeneinsatz kaum geeignet.
Übrigens: Für den Außenbereich ist ABS entgegen vieler Aussagen nur bedingt geeignet. UV-Licht lässt es mit der Zeit vergilben und spröde werden. Für Teile im Freien greifst du also besser zu ASA.
Wann nimmst du was? Unsere Empfehlung
Die Entscheidung bei ABS vs PLA hängt vor allem vom Einsatzzweck ab. Mit dieser Faustregel liegst du meist richtig:
- Nimm PLA, wenn du Prototypen, Figuren, Deko oder Modelle druckst. Das gilt auch, wenn du gerade erst anfängst oder im Wohnzimmer druckst.
- Nimm ABS, wenn dein Teil warm wird, Stöße aushalten muss oder du es mit Aceton glätten willst. Dafür brauchst du allerdings ein Gehäuse.
- Nimm ASA, wenn das Teil dauerhaft draußen bleibt.
- Nimm PETG, wenn du einen Mittelweg aus einfacher Verarbeitung und mehr Robustheit suchst.
Alternativen zu ABS und PLA
Neben ABS vs PLA lohnt sich ein Blick auf weitere Materialien. Viele suchen nämlich eine ABS-Alternative ohne Geruch und Warping. Diese Vergleiche helfen dir weiter:
- ABS vs PETG: PETG ist fast so zäh wie ABS, verzieht sich aber kaum und riecht weniger. Es hält allerdings etwas weniger Wärme aus. Mehr dazu im Vergleich PLA und PETG.
- ASA vs PLA: ASA ähnelt ABS, ist aber UV-beständig und damit ideal für draußen. Lies dazu den Vergleich ABS und ASA.
- PLA+ statt PLA: PLA+ ist zäher und bricht weniger schnell, bleibt aber einfach zu drucken.
Noch unsicher? Dann hilft dir unser großer Ratgeber Welches Filament wofür?
ABS und PLA kaufen: unsere Filamente
Achte beim Kauf vor allem auf eine enge Toleranz und eine trockene Verpackung. Schwankt der Durchmesser, leidet der Materialfluss und dein Druck bekommt Lücken. Bei NuNus findest du beide Materialien mit 1,75 mm Durchmesser:
- ABS+ Filament 1,75 mm 1 kg – stabil, mit Toleranz von ± 0,03 mm.
- PLA Filament 1,75 mm (Prof. Lab) – der zuverlässige Allrounder für Einsteiger.
Alle Varianten findest du in den Kategorien ABS+ Filamente und PLA Filamente.
Häufige Fragen zu ABS vs PLA
Was ist der Unterschied zwischen ABS und PLA?
ABS ist hitzebeständiger und zäher, braucht aber ein heißes Druckbett und ein Gehäuse. PLA druckt sich dagegen viel einfacher und riecht kaum. Dafür wird es schon bei rund 55 °C weich.
ABS oder PLA: Was ist besser für Anfänger?
Für Anfänger ist PLA die bessere Wahl. Es verzieht sich kaum, haftet zuverlässig und verzeiht kleine Fehler bei den Einstellungen. Mit ABS beginnst du am besten erst, wenn du deinen Drucker gut kennst.
Welches Filament ist stabiler, ABS oder PLA?
Das kommt auf die Belastung an. PLA ist steifer und hält einen höheren Druck aus, bricht aber plötzlich. ABS gibt dagegen etwas nach und übersteht Stöße besser. Für Funktionsteile ist ABS deshalb oft robuster.
Kann ich ABS auf jedem Drucker verarbeiten?
Nicht immer. Dein Drucker braucht ein Heizbett mit bis zu 110 °C und eine Düse für mindestens 240 °C. Außerdem empfehlen wir ein geschlossenes Gehäuse, damit die Temperatur gleichmäßig bleibt.
Fazit: ABS vs PLA hängt vom Projekt ab
Im Duell ABS vs PLA gibt es keinen klaren Sieger. PLA ist ideal für Einsteiger, Modelle und Deko, weil es einfach zu drucken ist. ABS spielt seine Stärken dagegen bei Wärme und Stößen aus. Kurz gesagt: Wenn dein Teil im Alltag gefordert wird, nimm ABS, sonst reicht PLA völlig aus. Entdecke jetzt unsere Filamente für deinen 3D-Drucker und finde das passende Material.