
PETG Filament verbindet die einfache Verarbeitung von PLA mit der Zähigkeit von ABS. Deshalb greifen viele Maker zu diesem Material, sobald ihre Drucke mehr aushalten müssen. In diesem Ratgeber erfährst du, was PETG genau ist und welche Eigenschaften es hat. Außerdem zeigen wir dir, wofür es sich eignet, wie es sich von anderen Filamenten unterscheidet und worauf du beim Kauf achten solltest.
Was ist PETG Filament?
PETG steht für Polyethylenterephthalat glykolmodifiziert. Die Basis bildet Polyethylenterephthalat, kurz PET. Diesen Kunststoff kennst du vermutlich von Getränkeflaschen. Beim PETG ergänzen Hersteller jedoch zusätzlich Glykol. Dadurch kristallisiert der Kunststoff beim Abkühlen kaum, bleibt klar und lässt sich leichter verarbeiten.
Im 3D-Druck kommt PETG also als Draht auf einer Spule zu dir. Dein Drucker schmilzt diesen Draht in der Düse und baut das Objekt Schicht für Schicht auf. Weil PETG sehr gut zwischen den Schichten haftet, entstehen besonders robuste Teile. Kurz gesagt: PETG Filament ist das Arbeitspferd für alle Funktionsteile.
Die wichtigsten Eigenschaften von PETG Filament
Bevor wir ins Detail gehen, findest du hier die wichtigsten Werte auf einen Blick:
| Eigenschaft | Typischer Wert |
|---|---|
| Drucktemperatur (Düse) | 220 – 255 °C |
| Druckbett | 60 – 90 °C |
| Erweichungstemperatur | ca. 70 – 80 °C |
| Dichte | ca. 1,27 g/cm³ |
| Verzug (Warping) | gering |
| Geruch beim Drucken | kaum wahrnehmbar |
| Feuchtigkeitsaufnahme | leicht hygroskopisch |
| Durchmesser | 1,75 mm oder 2,85 mm |
Zäh und schlagfest
Vor allem bricht PETG nicht so schnell wie PLA. Stattdessen gibt es unter Last leicht nach und verformt sich zunächst. Dadurch übersteht ein Teil auch einen Sturz oder einen kräftigen Stoß. Für Halterungen, Clips und Gehäuse ist diese Zähigkeit daher ein großer Vorteil. Auch Schnappverbindungen halten damit länger, weil das Material nicht sofort reißt.
Chemikalienbeständig
Zudem verträgt PETG viele Säuren, Laugen und Reinigungsmittel. Auch Wasser und Öl schaden dem Material kaum, sodass es auch feuchte Umgebungen gut verträgt. Deshalb eignet es sich gut für Behälter, Spritzschutz oder Teile in Werkstatt und Küche.
Wärmebeständiger als PLA
PETG Filament wird erst bei etwa 70 – 80 °C weich. Somit hält es deutlich mehr Wärme aus als PLA. Für Teile direkt am Motor oder im heißen Auto reicht das allerdings nicht immer. Hier hilft dir unser Überblick zu hitzebeständigen Filamenten weiter.
Transparent möglich
Ungefärbtes PETG ist nahezu glasklar, wenn du es mit dünnen Wänden druckst. Je nach Wandstärke und Einstellungen druckst du so durchscheinende Lampenschirme oder Sichtfenster. Gleichzeitig wirken farbige Varianten oft leicht glänzend.
Leicht hygroskopisch
Eine Schwäche hat das Material jedoch: PETG zieht Feuchtigkeit aus der Luft. Feuchtes Filament knistert in der Düse, bildet Blasen und zieht mehr Fäden. Lagere deine Spulen daher immer trocken, am besten mit Trockenmittel. Unsere Spulen kommen aus diesem Grund vakuumverpackt bei dir an.

PETG Filament drucken: die richtigen Einstellungen
PETG druckt sich etwas anspruchsvoller als PLA, aber deutlich einfacher als ABS. Mit diesen Startwerten gelingen deshalb die meisten Drucke. Beachte trotzdem die Angaben auf deiner Spule, denn jede Mischung verhält sich etwas anders.
- Düsentemperatur: 230 – 250 °C als Ausgangspunkt.
- Druckbett: 70 – 85 °C, je nach Oberfläche.
- Druckbett-Oberfläche: Auf glattem Glas haftet PETG oft zu stark, deshalb hilft ein Trennmittel wie Klebestift.
- Lüfter: 30 – 60 %, weil zu viel Kühlung die Schichthaftung schwächt.
- Geschwindigkeit: 40 – 80 mm/s für saubere Ergebnisse.
- Erste Schicht: Düse etwas höher setzen als bei PLA, damit PETG nicht am Bett festschweißt.
Alle Details zu Retraction, Haftung und Feintuning findest du in unserem Ratgeber PETG drucken: Tipps und Tricks. Haftet die erste Schicht nicht richtig, lies außerdem Wieso haftet mein Filament nicht auf dem Druckbett. Zieht dein Druck feine Fäden, hilft dir der Beitrag Wieso zieht mein Filament Fäden.
Wofür eignet sich PETG? Typische Anwendungen
Dank seiner Robustheit ist PETG sehr vielseitig, denn es verbindet Stabilität mit einfacher Verarbeitung. Besonders gut passt es zu diesen Einsatzgebieten:
- Funktionsteile: Halterungen, Clips, Scharniere und Ersatzteile für den Haushalt.
- Behälter und Boxen: Dosen, Sortierkästen oder Gießkannen-Aufsätze.
- Mechanische Bauteile: Zahnräder, Adapter und Gehäuse für Elektronik.
- Transparente Teile: Lampenschirme, Abdeckungen und Sichtfenster.
- Outdoor mit Einschränkung: Gartenhalter oder Schilder für geschützte Stellen.
Weniger geeignet ist PETG dagegen für Teile mit dauerhaft starker Sonneneinstrahlung. Ohne UV-Stabilisierung vergilbt und versprödet es auf Dauer. Für solche Projekte ist ASA die bessere Wahl. Für sehr feine Figuren mit scharfen Details bleibt PLA außerdem oft im Vorteil.
PETG im Vergleich zu anderen Filamenten
Die Stärken zeigen sich vor allem im direkten Vergleich. Wie schlägt sich PETG also gegenüber den anderen gängigen Materialien? Die folgende Übersicht hilft dir bei der Wahl:
- PETG vs. PLA: PETG ist zäher und hitzebeständiger, PLA dagegen einfacher und detailgenauer. Mehr dazu im Vergleich PLA und PETG.
- PETG vs. ABS: ABS verträgt mehr Hitze, verzieht sich aber stärker und riecht. Lüfte beim ABS-Druck deshalb gut oder nutze ein Gehäuse. Mehr im ABS Filament Ratgeber.
- PETG vs. ASA: ASA ist UV-stabil und wetterfest, also ideal für draußen. Allerdings braucht ASA ebenfalls ein Gehäuse und gute Belüftung. Alles dazu im ASA Filament Ratgeber.
- PETG vs. HIPS: HIPS ist leicht und dient oft als Stützmaterial. Den direkten Vergleich findest du unter HIPS vs. PETG.
Du bist dir noch unsicher? Dann wirf einen Blick in unseren großen Filament-Ratgeber: Welches Filament wofür?
PETG Filament kaufen: Darauf solltest du achten
Wenn du PETG kaufen willst, hast du die Wahl zwischen vielen Herstellern. Die Qualität schwankt jedoch deutlich. Mit diesen Kriterien findest du ein gutes Produkt:
- Maßhaltigkeit: Der Durchmesser sollte möglichst wenig abweichen. Sonst schwankt der Materialfluss und dein Druck bekommt Lücken.
- Passender Durchmesser: Die meisten Drucker arbeiten mit 1,75 mm. Mehr dazu erfährst du im Beitrag 1,75 mm oder 3 mm Filament.
- Trockene Verpackung: Weil PETG Feuchtigkeit aufnimmt, ist eine vakuumierte Verpackung mit Trockenmittel besonders wichtig.
- Saubere Wicklung: Ordentlich gewickeltes Material verhindert Knoten, damit dein Druck nicht mittendrin abbricht.
- Klare Druckangaben: Ein guter Hersteller nennt außerdem Temperaturbereiche für Düse und Druckbett.
- Spulengröße: Für große Projekte lohnt sich eine 2-kg-Rolle, damit du seltener wechseln musst.
Unser PETG Filament bei NuNus
Bei NuNus findest du PETG in verschiedenen Varianten, jeweils mit 1,75 mm Durchmesser. Unser Preis-Leistungs-Tipp ist das PETG von Prof. Lab, denn es ist hochfest und immer auf Lager:
- PETG 1,75 mm 1 kg (Prof. Lab) – unser Preis-Leistungs-Tipp: hochfest, Düse 220 – 240 °C, Bett 80 – 90 °C.
- NuNus PETG 1,75 mm – Düse 230 – 255 °C, Bett 60 – 80 °C, druckbar mit 40 – 120 mm/s.
Alle Varianten findest du gesammelt in unserer Übersicht aller Filamente.
Häufige Fragen zu PETG Filament
Ist PETG lebensmittelecht?
Der Rohstoff PETG kann für den Lebensmittelkontakt zugelassen sein. Ein gedrucktes Teil ist aber nicht automatisch lebensmittelecht. In den feinen Rillen zwischen den Schichten können sich nämlich Bakterien sammeln. Außerdem können Farbstoffe oder eine Messingdüse Rückstände hinterlassen. Für direkten Lebensmittelkontakt solltest du daher vorsichtig sein.
Ist PETG UV-beständig?
Nur bedingt. Zwar verkraftet PETG Sonnenlicht besser als PLA, allerdings vergilbt es auf Dauer und wird spröde. Für Teile, die ständig draußen in der Sonne stehen, empfehlen wir deshalb ASA.
Wie hitzebeständig ist PETG?
PETG erweicht bei etwa 70 – 80 °C. Damit übersteht es warme Räume und einen Sommertag deutlich besser als PLA. Für Bauteile, die dauerhaft heiß werden, reicht dieser Wert allerdings nicht aus. In diesem Fall solltest du zu ABS oder ASA greifen.
Muss man PETG trocknen?
Wenn deine Spule lange offen gelegen hat, ja. Knistert das Filament oder zieht es viele Fäden, ist es meist feucht. Trockne es dann bei etwa 60 – 65 °C für vier bis sechs Stunden. Anschließend lagerst du es am besten luftdicht mit Trockenmittel.
Fazit: PETG Filament für robuste Funktionsteile
PETG ist zäh, chemikalienbeständig und hält mehr Wärme aus als PLA. Außerdem druckt es sich ohne Gehäuse und riecht kaum. Damit ist PETG Filament die erste Wahl für Halterungen, Behälter und mechanische Bauteile. Nur für dauerhaften Sonneneinsatz greifst du besser zu ASA. Entdecke jetzt unser PETG in Premium-Qualität und starte dein nächstes Projekt.