
HIPS vs PETG: Welches Filament ist besser für dein Projekt? Beide Kunststoffe sind robust, doch sie verfolgen ganz unterschiedliche Stärken. In diesem Vergleich lernst du die Eigenschaften beider Materialien kennen. Außerdem erfährst du, wie du sie richtig druckst und wann du zu welchem Filament greifen solltest.
Was ist HIPS Filament?
HIPS steht für High Impact Polystyrene, auf Deutsch schlagzähes Polystyrol. Hersteller mischen dem Polystyrol dabei Kautschuk bei, sodass es nicht mehr so spröde ist. Das Material ist leicht, matt und lässt sich gut schleifen, kleben und lackieren.
Eine Besonderheit macht HIPS im 3D-Druck bekannt: Es löst sich in Limonen auf. Deshalb dient es oft als Stützmaterial für ABS-Drucke auf Druckern mit zwei Düsen. Mehr dazu liest du in unserem HIPS Filament Ratgeber.
Was ist PETG Filament?
PETG steht für Polyethylenterephthalat-Glykol. Es ist mit dem Kunststoff von Getränkeflaschen verwandt. Der Zusatz Glykol macht das Material zäher und leichter druckbar. PETG ist schlagfest, wasserbeständig und oft leicht transparent. Zudem verzieht es sich kaum, weshalb es als guter Mittelweg zwischen PLA und ABS gilt. Alle Details findest du im Ratgeber Was ist PETG Filament?

HIPS vs PETG: Eigenschaften in der Tabelle
Hier siehst du die wichtigsten Werte beider Materialien direkt nebeneinander:
| Eigenschaft | HIPS | PETG |
|---|---|---|
| Drucktemperatur (Düse) | 220 – 250 °C | 220 – 250 °C |
| Druckbett | 90 – 110 °C | 60 – 85 °C |
| Hitzebeständigkeit | ca. 85 – 95 °C | ca. 70 – 80 °C |
| Dichte | ca. 1,04 – 1,08 g/cm³ | ca. 1,27 g/cm³ |
| Verzug (Warping) | mittel | gering |
| Geruch beim Drucken | spürbar (Styrol) | kaum |
| Oberfläche | matt, gut lackierbar | glänzend, oft transparent |
| Löslich | in Limonen | nein |
| Gehäuse nötig | empfohlen | nein |
Festigkeit und Gewicht
HIPS ist leicht und schlagzäh. Für große, leichte Teile wie Modelle oder Gehäuse ist das ein Vorteil. PETG ist dagegen schwerer, allerdings auch fester und flexibler. Es verbiegt sich unter Last, bevor es bricht. Für Funktionsteile unter Belastung liegt PETG deshalb meist vorn.
Hitzebeständigkeit
Viele Quellen behaupten, PETG sei hitzebeständiger als HIPS. Das stimmt so nicht. HIPS bleibt meist bis etwa 85 °C formstabil. PETG wird dagegen schon ab rund 75 °C weich. Im Alltag reichen jedoch beide für warme Räume aus. Weitere Optionen zeigt dir der Beitrag über hitzebeständige Filamente.
Chemikalien, Wasser und UV
PETG ist sehr beständig gegen Wasser, viele Säuren und Laugen. Daher eignet es sich gut für Behälter und Teile im Bad. HIPS reagiert dagegen empfindlich auf Lösungsmittel wie Limonen oder Aceton. Gegen UV-Licht ist keines der beiden Materialien wirklich stabil. PETG hält draußen aber meist länger durch als HIPS.
Nachbearbeitung
Wenn du deine Drucke schleifen oder bemalen willst, ist HIPS im Vorteil. Die matte Oberfläche nimmt Farbe sehr gut an. PETG lässt sich zwar ebenfalls schleifen, schmiert aber leichter. Zudem haftet Farbe auf der glatten Oberfläche schlechter.
HIPS vs PETG drucken: die richtigen Einstellungen
Beide Filamente brauchen ähnliche Düsentemperaturen, verhalten sich aber sonst verschieden. Beachte zudem immer die Angaben auf der Spule.
HIPS drucken:
- Düse: 220 – 250 °C.
- Druckbett: 90 – 110 °C, damit die Ecken flach bleiben.
- Lüfter: gering, etwa 0 – 30 %.
- Bauraum: geschlossenes Gehäuse und gute Belüftung des Raums.
PETG drucken:
- Düse: 230 – 250 °C.
- Druckbett: 70 – 85 °C.
- Lüfter: 30 – 50 %.
- Erste Schicht: nicht zu stark andrücken, weil PETG sonst an der Düse klebt.
Da HIPS Styrol-Dämpfe freisetzt, solltest du den Raum lüften oder einen Abzug nutzen. PETG neigt dagegen eher zum Fadenziehen. Die Lösung dafür findest du im Beitrag Wieso zieht mein Filament Fäden. Weitere Kniffe verraten dir unsere PETG Tipps und Tricks. Haftet die erste Schicht nicht, hilft der Ratgeber Filament haftet nicht auf dem Druckbett.
Wann nimmst du was? Unsere Empfehlung
Die Frage HIPS vs PETG entscheidet sich vor allem am Einsatzzweck. Mit dieser Übersicht findest du schnell das richtige Material:
- Nimm HIPS, wenn du leichte Modelle, Gehäuse oder Teile zum Lackieren druckst.
- Nimm HIPS auch als lösliches Stützmaterial für ABS-Drucke.
- Greif zu PETG, wenn deine Teile Wasser, Chemikalien oder mechanische Last aushalten müssen.
- Wähle PETG ebenso, wenn du ohne Gehäuse und ohne Geruch drucken willst.
Für Einsteiger ist PETG klar die einfachere Wahl. HIPS lohnt sich dagegen vor allem, wenn du schon Erfahrung mit ABS hast.
Manchmal lohnt sich sogar die Kombination beider Welten. Wenn du zum Beispiel ein Gehäuse für draußen planst, druckst du die Hülle aus PETG. Innere Halterungen, die du lackieren willst, fertigst du dagegen aus HIPS. Auf diese Weise nutzt du die Stärken beider Materialien gezielt aus. Zunächst solltest du jedoch ein paar Testdrucke machen, damit du die Einstellungen deines Druckers kennenlernst.
Weitere Vergleiche
Neben HIPS vs PETG gibt es weitere spannende Duelle. Viele fragen zum Beispiel nach HIPS vs PLA. PLA druckt sich einfacher, hält aber deutlich weniger Wärme aus. Diese Beiträge helfen dir weiter:
- PLA vs PETG: der Klassiker für Einsteiger im Vergleich PLA und PETG.
- ABS und HIPS: beide basieren auf Styrol und lassen sich gut kombinieren. Mehr dazu im ABS Filament Ratgeber.
- Alle Materialien: unser Überblick Welches Filament wofür?
HIPS und PETG kaufen: unsere Filamente
Achte beim Kauf auf eine enge Toleranz und eine trockene Verpackung. Vor allem PETG zieht Feuchtigkeit und sollte daher gut verschlossen lagern. Bei NuNus findest du beide Materialien mit 1,75 mm Durchmesser:
- HIPS Filament 1,75 mm Pink 1 kg – Düse 220 – 260 °C, Dichte 1,04 – 1,08.
- PETG Filament 1,75 mm (Prof. Lab) – hochfest für Funktionsteile.
- NuNus PETG 1,75 mm – Düse 230 – 255 °C, Bett 60 – 80 °C.
Alle Varianten findest du in den Kategorien HIPS Filamente und PETG Filamente.
Häufige Fragen zu HIPS vs PETG
Welche Eigenschaften hat HIPS Filament?
HIPS ist leicht, schlagzäh und matt. Es lässt sich gut schleifen und lackieren. Außerdem löst es sich in Limonen, weshalb es oft als Stützmaterial dient. Beim Druck braucht es ein heißes Bett und am besten ein Gehäuse.
Ist PETG oder HIPS lebensmittelecht?
Der Rohstoff PETG kann für den Lebensmittelkontakt zugelassen sein. Ein gedrucktes Teil ist aber nicht automatisch lebensmittelecht. In den Rillen zwischen den Schichten sammeln sich nämlich leicht Bakterien. Zudem können Farbstoffe oder die Düse Rückstände hinterlassen. Für HIPS gilt das ebenso, deshalb solltest du bei beiden vorsichtig sein.
Ist HIPS besser als PLA?
Das kommt auf dein Projekt an. HIPS ist hitzebeständiger und weniger spröde als PLA. PLA druckt sich dagegen deutlich einfacher und riecht kaum. Für Einsteiger bleibt PLA daher die erste Wahl.
Kann ich HIPS ohne Gehäuse drucken?
Kleine Teile gelingen oft auch offen. Bei größeren Objekten lösen sich jedoch leicht die Ecken. Ein Gehäuse hält die Wärme gleichmäßig und senkt so das Warping. Zusätzlich solltest du wegen der Dämpfe gut lüften.
Fazit: HIPS vs PETG – beide haben ihren Platz
Im Duell HIPS vs PETG gibt es keinen pauschalen Sieger. PETG ist vielseitiger, einfacher zu drucken und robuster gegen Wasser und Chemikalien. HIPS punktet dagegen mit geringem Gewicht, guter Lackierbarkeit und als lösliches Stützmaterial. Kurz gesagt: Für Alltagsteile nimmst du PETG, für Modelle und Stützstrukturen HIPS. Entdecke jetzt unsere Filamente für deinen 3D-Drucker und starte dein nächstes Projekt.