PA6 Filament: Was ist Nylon PA6 und welche Eigenschaften hat es?

PA6 Filament gilt als eines der zähesten Materialien, die du mit einem normalen 3D-Drucker verarbeiten kannst. Dahinter steckt nämlich Nylon, ein Kunststoff, den du aus Zahnrädern, Dübeln und Kabelbindern kennst. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Eigenschaften Nylon PA6 hat und wie du es sauber druckst. Außerdem zeigen wir dir, wofür es sich lohnt und welche einfacheren Alternativen es gibt.

Was ist PA6 Filament?

PA ist die Abkürzung für Polyamid. Die bekannteste Handelsbezeichnung dafür ist dagegen Nylon. Die Zahl 6 beschreibt den Grundbaustein, aus dem der Kunststoff entsteht. Chemisch heißt PA6 nämlich Polycaprolactam, weil es aus dem Stoff Caprolactam hergestellt wird.

Polyamide sind vor allem technische Kunststoffe. Die Industrie setzt sie überall dort ein, wo Teile reiben, gleiten oder Stöße abfangen müssen. Im 3D-Druck bekommst du PA6 als Draht auf der Spule, meist mit 1,75 mm Durchmesser. Dein Drucker schmilzt das Filament anschließend in der Düse und baut daraus Schicht für Schicht dein Bauteil.

Neben reinem PA6 gibt es zudem Varianten mit Füllstoffen. Mit Kohlefasern oder Glasfasern wird das Material zum Beispiel steifer und verzieht sich weniger. Solche Fasern schleifen eine normale Messingdüse allerdings schnell ab. Für gefüllte Sorten brauchst du daher eine gehärtete Düse.

PA6 Filament Eigenschaften im Überblick

Bevor wir ins Detail gehen, findest du hier zunächst die typischen Werte für unverstärktes PA6:

Eigenschaft Typischer Wert
Drucktemperatur (Düse) ca. 240 – 270 °C
Druckbett ca. 70 – 100 °C
Schmelzpunkt ca. 220 °C
Wärmeformbeständigkeit je nach Sorte ca. 60 – 80 °C, gefüllt deutlich höher
Dichte ca. 1,13 – 1,14 g/cm³
Verzug (Warping) mittel bis hoch
Feuchtigkeitsaufnahme sehr hoch (stark hygroskopisch)
Geruch beim Drucken gering bis mittel

Extrem zäh und schlagfest

Die größte Stärke von Nylon ist dabei seine Zähigkeit. Ein Teil aus PA6 bricht nicht so leicht wie PLA, sondern gibt unter Last etwas nach. Dadurch übersteht es Stöße, Vibrationen und wiederholtes Biegen. Deshalb eignet sich das Material besonders für Funktionsteile, die im Alltag viel aushalten müssen.

Abriebfest mit guten Gleiteigenschaften

PA6 hat eine glatte, leicht wachsartige Oberfläche. Bewegliche Teile reiben deshalb wenig und nutzen sich kaum ab. Deshalb bestehen viele Zahnräder, Lager und Führungen aus Polyamid. Außerdem verträgt der Kunststoff Öle, Fette und Kraftstoffe gut.

Stark hygroskopisch

Die größte Schwäche ist allerdings die Feuchtigkeitsaufnahme. PA6 zieht Wasser aus der Luft, und zwar deutlich schneller als PLA oder PETG. Schon nach wenigen Stunden an der Raumluft kann eine offene Spule spürbar Feuchtigkeit aufnehmen. Feuchtes Filament knistert dann in der Düse, bildet Blasen und zieht Fäden. Zudem werden die Schichten schwächer und die Oberfläche rau.

Verzug und Haftung

Nylon schrumpft beim Abkühlen zudem stärker als PLA. Große, flache Teile heben sich deshalb gern an den Ecken ab. Auch die Haftung auf glatten Druckbetten ist oft schwierig. Ein beheiztes Bett, ein Gehäuse und ein passender Haftgrund sind darum fast Pflicht.

PA6 Filament – Was ist Nylon PA6 und welche Eigenschaften hat es?

PA6 Filament drucken: die richtigen Einstellungen

PA6 verlangt mehr Vorbereitung als die meisten Standardfilamente. Mit diesen Richtwerten startest du daher sicher. Beachte jedoch immer die Angaben des jeweiligen Herstellers, denn jede Mischung verhält sich etwas anders.

  • Trocknen: Trockne die Spule vor jedem Druck, typischerweise bei 70 – 80 °C für mehrere Stunden. Anschließend druckst du am besten direkt aus einer Trockenbox.
  • Düsentemperatur: 240 – 270 °C. Dein Hotend muss diese Temperaturen dauerhaft schaffen.
  • Druckbett: 70 – 100 °C, dazu Klebestift oder eine geeignete Druckplatte.
  • Gehäuse: Ein geschlossener Bauraum hält die Wärme und verringert Verzug.
  • Lüfter: wenig oder gar keine Bauteilkühlung, damit die Schichten gut verschmelzen.
  • Geschwindigkeit: eher langsam, etwa 30 – 50 mm/s.

Hebt sich der Druck trotzdem ab, hilft dir unser Ratgeber Wieso haftet mein Filament nicht auf dem Druckbett. Oft liegt es zusätzlich am Düsenabstand. Dann solltest du das Druckbett neu leveln. Wenn dein Teil feine Fäden zieht, ist meist Feuchtigkeit schuld. Weitere Ursachen findest du außerdem im Beitrag Wieso zieht mein Filament Fäden.

Wofür eignet sich PA6 Filament?

Seine Stärken spielt Nylon vor allem bei mechanisch belasteten Teilen aus. Typische Anwendungen sind:

  • Zahnräder und Getriebe: zäh, abriebfest und mit guten Gleiteigenschaften.
  • Scharniere und Schnappverschlüsse: Sie biegen sich, ohne sofort zu brechen.
  • Halterungen und Werkzeugteile: robust bei Stößen und Vibrationen.
  • Lager und Gleitführungen: geringe Reibung bei beweglichen Teilen.
  • Technische Prototypen: nah am Serienteil aus Spritzguss.

Weniger geeignet ist PA6 dagegen für Deko, Figuren oder schnelle Prototypen. Für solche Projekte ist der Aufwand nämlich zu hoch, und PLA liefert dir das Ergebnis viel einfacher. Auch in feuchter Umgebung ändert Nylon seine Eigenschaften, weil es Wasser aufnimmt und dadurch weicher wird.

PA6 oder PA66: Wo liegt der Unterschied?

Neben PA6 begegnet dir oft auch PA66. Beide gehören zu den Polyamiden, entstehen aber aus unterschiedlichen Grundstoffen. PA66 hat jedoch einen höheren Schmelzpunkt von rund 260 °C. Es ist dadurch etwas steifer und hitzebeständiger. Allerdings verlangt es noch höhere Drucktemperaturen. Für den Heimdrucker ist PA6 oder eine PA6-Mischung deshalb meist die praktischere Wahl.

PA6 im Vergleich zu anderen Filamenten

Wie schlägt sich Nylon gegen die gängigen Materialien? Diese Übersicht hilft dir deshalb bei der Einordnung:

  • PA6 gegen PLA: PLA ist viel einfacher zu drucken, aber spröde und wenig hitzebeständig.
  • PA6 gegen PETG: PETG ist weniger zäh, dafür kaum feuchtigkeitsempfindlich. Mehr dazu im PETG Ratgeber.
  • PA6 gegen ABS: ABS ist steifer und leichter zu bekommen, aber weniger abriebfest. Weitere Details findest du dazu im ABS Ratgeber.
  • PA6 gegen ASA: ASA ist UV-stabil und wetterfest, also ideal für draußen. Lies dazu den ASA Ratgeber.

Du bist dir noch unsicher? Dann hilft dir unser Überblick Welches Filament wofür weiter.

PA6 Filament kaufen: Darauf solltest du achten

Wenn du dich für Nylon entscheidest, prüfe vor dem Kauf diese Punkte:

  1. Vakuumierte Verpackung: Wegen der hohen Feuchtigkeitsaufnahme ist eine dichte Verpackung mit Trockenmittel Pflicht.
  2. Klare Druckangaben: Der Hersteller sollte Temperaturen für Düse und Bett sowie Trocknungswerte nennen.
  3. Füllstoffe: Kohlefaser oder Glasfaser erhöhen die Steifigkeit, erfordern jedoch eine gehärtete Düse.
  4. Passender Drucker: Dein Hotend muss mindestens 260 °C sicher erreichen.

Unsere Alternativen zu PA6 Filament

Ehrlich gesagt: NuNus führt aktuell kein Nylon. Für viele Projekte brauchst du es allerdings gar nicht. Diese Filamente aus unserem Sortiment sind robust und deutlich einfacher zu drucken:

Alle Materialien findest du gesammelt in unserer Kategorie 3D-Drucker Filamente.

Häufige Fragen zu PA6 Filament

Ist PA6 dasselbe wie Nylon?

Ja, im Wesentlichen schon. Nylon ist der bekannte Handelsname für Polyamide, und PA6 ist eine der häufigsten Sorten davon.

Wie hitzebeständig ist PA6 Filament?

Unverstärktes Nylon bleibt je nach Sorte bis etwa 60 – 80 °C formstabil. Mit Kohlefaser oder Glasfaser liegt der Wert dagegen deutlich höher. Weitere Materialien für warme Umgebungen findest du im Ratgeber hitzebeständiges Filament.

Muss ich PA6 vor dem Drucken trocknen?

Ja, fast immer. Denn selbst eine frisch geöffnete Spule kann schon Feuchtigkeit gezogen haben. Trockne sie daher vor dem Druck und lagere sie danach luftdicht mit Trockenmittel.

Kann jeder 3D-Drucker Nylon drucken?

Nein. Dein Hotend muss dauerhaft rund 260 °C schaffen. Außerdem haben viele Einsteigergeräte einen PTFE-Schlauch bis in die Düse, der bei solchen Temperaturen leidet. Zusätzlich hilft ein Gehäuse gegen Verzug.

Ist Nylon lebensmittelecht?

Der Rohstoff kann für den Lebensmittelkontakt zugelassen sein. Ein gedrucktes Teil ist trotzdem nicht automatisch lebensmittelecht. In den Rillen zwischen den Schichten können sich nämlich Bakterien sammeln.

Fazit: PA6 Filament für Profis, PETG für den Alltag

PA6 Filament ist zäh, abriebfest und ideal für Zahnräder, Scharniere und Funktionsteile. Dafür verlangt es hohe Temperaturen, konsequentes Trocknen und meist ein Gehäuse. Für viele robuste Teile kommst du dagegen mit PETG, ABS+ oder ASA deutlich einfacher ans Ziel. Kurz gesagt: Nylon lohnt sich vor allem dann, wenn Abrieb und Zähigkeit wirklich entscheidend sind. Entdecke also jetzt unser robustes PETG Filament als unkomplizierte Alternative.

NuNus Filamente
Logo
NuNus Filamente
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.

Shopping cart