
Dein Filament zieht Fäden und dein Druck sieht aus, als hätte eine Spinne darüber ein Netz gewebt? Dieses Problem heißt Stringing und fast jeder kennt es aus dem Alltag mit dem 3D-Drucker. Die gute Nachricht lautet: Mit wenigen Einstellungen bekommst du es meist vollständig in den Griff. In diesem Ratgeber erfährst du zunächst, wie die Fäden entstehen. Anschließend gehen wir die häufigsten Ursachen Schritt für Schritt durch und zeigen dir passende Lösungen.
Was bedeutet Stringing beim 3D-Druck?
Dein Drucker arbeitet nach dem Prinzip des Fused Deposition Modeling. Er drückt also geschmolzenen Kunststoff durch eine heiße Düse und baut so Schicht für Schicht dein Bauteil auf. Fährt der Druckkopf zu einer anderen Stelle, bleibt die Düse trotzdem heiß. Dabei sickert etwas Material nach. Dieser Rest zieht sich anschließend als dünner Faden zwischen zwei Bereichen des Modells.
Auf Englisch spricht man von Stringing oder auch von Oozing. Besonders deutlich siehst du die Fäden bei Modellen mit mehreren Türmen oder Spitzen. Denn hier muss der Druckkopf in jeder Schicht viele Leerfahrten machen. Bei feinen Teilen stören die Fäden allerdings auch die Funktion, zum Beispiel bei Zahnrädern oder Gelenken.
Filament zieht Fäden: die häufigsten Ursachen und Lösungen
Meist steckt nicht nur ein einzelner Fehler hinter dem Problem. Deshalb lohnt es sich, die Ursachen der Reihe nach zu prüfen. Ändere dabei immer nur eine Einstellung und drucke danach ein kleines Testmodell. So erkennst du sofort, welche Änderung wirklich hilft.
1. Die Drucktemperatur ist zu hoch
Je heißer die Düse ist, desto flüssiger wird der Kunststoff. Flüssiges Material läuft während der Leerfahrten leichter heraus. Eine zu hohe Temperatur ist deshalb der häufigste Grund für das Stringing. Kurz gesagt: Filament zieht Fäden vor allem dann, wenn es zu heiß ist.
- Senke die Düsentemperatur in Schritten von 5 °C.
- Drucke einen Temperaturturm, damit du mehrere Werte direkt vergleichen kannst.
- Bleib dabei im Bereich, den der Hersteller auf der Spule angibt.
Gehe allerdings nicht zu weit nach unten. Ist die Düse zu kalt, verbinden sich die Schichten schlechter und das Bauteil wird brüchig.
2. Der Rückzug (Retraction) ist falsch eingestellt
Mit der Retraction zieht der Extruder das Material vor jeder Leerfahrt ein Stück zurück. Dadurch sinkt der Druck in der Düse und es tropft weniger nach. Ist der Rückzug ausgeschaltet oder zu kurz, gilt fast immer: Das Filament zieht Fäden bei jeder Leerfahrt.
- Direct-Drive-Extruder: etwa 0,5 – 2 mm Rückzugslänge.
- Bowden-Extruder: etwa 4 – 7 mm Rückzugslänge.
- Rückzugsgeschwindigkeit: etwa 25 – 45 mm/s als Startwert.
Erhöhe die Länge in kleinen Schritten von 0,5 mm. Zu viel Rückzug kann jedoch das Filament abschleifen oder sogar die Düse verstopfen. Ein Retraction-Test ist also sinnvoller als blindes Ausprobieren.
3. Das Filament hat Feuchtigkeit aufgenommen
Viele Kunststoffe ziehen Wasser aus der Luft. In der heißen Düse verdampft diese Feuchtigkeit und drückt zusätzlich Material heraus. Feuchtes Filament zieht Fäden besonders stark. Typische Anzeichen sind Knistern, kleine Bläschen und eine raue Oberfläche. Vor allem PETG und TPU reagieren empfindlich, PLA dagegen etwas weniger.
Trockne die Spule deshalb in einem Filamenttrockner oder im Backofen bei niedriger Temperatur. Für PLA reichen etwa 45 – 50 °C, für PETG etwa 60 – 65 °C über mehrere Stunden. Lagere das Material danach luftdicht mit Trockenmittel.
4. Die Leerfahrten sind zu langsam
Je länger der Druckkopf für eine Leerfahrt braucht, desto mehr Zeit hat der Kunststoff zum Nachlaufen. Erhöhe deshalb die Fahrgeschwindigkeit, zum Beispiel auf 150 mm/s, sofern dein Drucker das sauber schafft. Außerdem helfen dir zwei Funktionen im Slicer:
- Combing: Der Druckkopf fährt möglichst innerhalb des Modells, sodass Fäden im Inneren verschwinden.
- Wipe und Coasting: Die Düse streift am Ende einer Linie ab oder stoppt die Extrusion kurz vorher.
5. Überextrusion liefert zu viel Material
Fördert der Extruder mehr Kunststoff als nötig, steigt der Druck in der Düse. Der Überschuss tritt dann auch während der Leerfahrten aus. Prüfe daher den Flow-Wert im Slicer und kalibriere die E-Steps deines Extruders. Ein falscher Durchmesser im Slicer führt ebenfalls zu Überextrusion. Achte also darauf, dass dort 1,75 mm hinterlegt ist, wenn du 1,75-mm-Filament verwendest.
6. Die Düse ist verschmutzt oder abgenutzt
Manchmal stimmt jede Einstellung und das Filament zieht Fäden trotzdem. Dann bleiben oft verkohlte Reste an der Düsenspitze am Kunststoff hängen. Reinige die Düse deshalb im warmen Zustand vorsichtig mit einer Messingbürste. Bei einer ausgeschlagenen Öffnung fließt das Material zudem ungleichmäßig. In diesem Fall hilft nur ein Düsentausch.

PLA, PETG und TPU: Stringing je nach Material
Jedes Material neigt unterschiedlich stark zu Fäden. Deshalb brauchst du je nach Filament etwas andere Einstellungen.
- PLA: zieht nur wenig Fäden, wenn Temperatur und Rückzug stimmen. Mehr zum Material liest du in unserem Ratgeber zu den Eigenschaften von PLA.
- PETG: ist bekannt für Stringing, weil es zäh und klebrig schmilzt. Senke hier die Temperatur, trockne die Spule und nutze einen etwas stärkeren Lüfter. Weitere Tipps findest du im Beitrag PETG drucken mit Tipps und Tricks.
- TPU: ist weich und flexibel. Halte die Retraction daher kurz und langsam, sonst staucht sich das Material im Extruder. Details liefert unser Ratgeber zu TPU Filament.
Unsicher, welches Material passt? Dann hilft dir der Beitrag PLA und PETG im direkten Vergleich. Einen breiten Überblick bietet außerdem unser Artikel darüber, welches Filament wofür geeignet ist.
Filament zieht Fäden: Übersicht Problem, Ursache, Lösung
Die Tabelle fasst die wichtigsten Punkte zusammen:
| Problem | Mögliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Viele feine Fäden | Temperatur zu hoch | In 5-Grad-Schritten senken, Temperaturturm drucken |
| Dicke Fäden bei jeder Leerfahrt | Retraction aus oder zu kurz | Rückzug aktivieren und Länge schrittweise erhöhen |
| Knistern, Bläschen, raue Oberfläche | Feuchtes Filament | Spule trocknen, luftdicht lagern |
| Fäden über weite Strecken | Langsame Leerfahrten | Fahrgeschwindigkeit erhöhen, Combing nutzen |
| Kleckse und dicke Linien | Überextrusion | Flow und E-Steps kalibrieren |
| Fäden trotz guter Einstellungen | Verschmutzte oder abgenutzte Düse | Düse reinigen oder tauschen |
Checkliste gegen Stringing
Damit deine Testdrucke zuverlässig halten, sollte zunächst die Grundlage stimmen. Hilfe findest du im Ratgeber zum Leveln des Druckbetts. Lies außerdem, warum Filament nicht auf dem Druckbett hält. Danach gehst du diese Punkte der Reihe nach durch:
- Temperatur an das untere Ende der Herstellerangabe bringen.
- Retraction aktivieren und mit einem Testmodell einstellen.
- Filament trocknen, wenn es knistert oder lange offen lag.
- Fahrgeschwindigkeit erhöhen und Combing einschalten.
- Flow und E-Steps prüfen.
- Düse reinigen und auf Verschleiß kontrollieren.
- Nach jeder Änderung einen kurzen Testdruck machen.
Gutes Filament macht den Unterschied
Ein gleichmäßiger Durchmesser sorgt für einen konstanten Materialfluss. Schwankt das Filament dagegen stark, fördert der Extruder mal zu viel und mal zu wenig. Achte deshalb auf eine geringe Toleranz und auf eine trocken verpackte Spule.
Für den Einstieg eignet sich das PLA Filament 1,75 mm von Prof. Lab, das sich sauber verarbeiten lässt. Weitere Farben findest du in der Kategorie PLA Filament. Brauchst du robustere Teile, wirf einen Blick auf unser NuNus PETG Filament 1,75 mm und die gesamte PETG-Auswahl. Flexible Teile druckst du schließlich mit Material aus der Kategorie TPU Filament.
Häufige Fragen zum Thema Fäden im 3D-Druck
Warum zieht mein 3D-Drucker Fäden?
Meist ist die Düse zu heiß oder der Rückzug zu schwach eingestellt. Das Filament zieht Fäden, weil während der Leerfahrten Material nachläuft. Prüfe deshalb zuerst Temperatur und Retraction, bevor du andere Einstellungen änderst.
Warum zieht PLA Fäden, obwohl die Temperatur stimmt?
Häufig hat die Spule dann Feuchtigkeit aufgenommen. Auch eine zu langsame Fahrgeschwindigkeit oder eine verschmutzte Düse kommen infrage. Trockne das Filament daher und reinige anschließend die Düsenspitze.
Mein Filament zieht Fäden trotz Retraction – was tun?
Erhöhe die Rückzugslänge in kleinen Schritten und teste auch die Rückzugsgeschwindigkeit. Wenn das nicht reicht, aktiviere Combing sowie Wipe oder Coasting. Außerdem lohnt sich ein Blick auf den Flow-Wert, denn Überextrusion hebelt jede Retraction aus.
Wie entferne ich Fäden nachträglich vom Druck?
Feine Fäden ziehst du einfach mit den Fingern oder einer Pinzette ab. Hartnäckige Reste kannst du mit einem scharfen Cutter entfernen. Alternativ hilft ein kurzer Stoß mit dem Heißluftföhn, weil die dünnen Fäden dabei schmelzen. Bewege den Föhn jedoch zügig, damit sich das Bauteil nicht verformt.
Fazit: Fäden lassen sich fast immer beheben
Dein Filament zieht Fäden? Dann liegt es in den meisten Fällen an Temperatur, Retraction oder Feuchtigkeit. Gehst du die Ursachen in Ruhe nacheinander durch, verschwindet das Stringing meist schnell. Kurz gesagt: Kleine Testdrucke und trockenes Material sind der Schlüssel zu sauberen Ergebnissen. Entdecke jetzt unsere hochwertigen Filamente für deinen 3D-Drucker und starte deinen nächsten Druck ohne Fäden.