
PETG drucken ist gar nicht so schwer, wenn du ein paar Besonderheiten kennst. Das Material ist zäh, schlagfest und hält mehr Wärme aus als PLA. Allerdings zieht es gern Fäden und klebt manchmal zu stark am Druckbett. In diesem Ratgeber bekommst du konkrete Tipps zu Temperatur, Lüfter, erster Schicht und Retraction. Außerdem findest du eine Tabelle mit typischen Fehlern und eine Checkliste für deinen nächsten Druck.
Kurz erklärt: Was macht PETG besonders?
PETG ist ein mit Glykol modifiziertes Polyethylenterephthalat, also ein enger Verwandter des PET aus Getränkeflaschen. Das Glykol macht den Kunststoff weniger spröde und leichter zu verarbeiten. Alles zu Herkunft, Eigenschaften und Einsatzgebieten erklären wir ausführlich im PETG-Filament-Ratgeber. Hier konzentrieren wir uns dagegen ganz auf die Praxis.
Die wichtigsten Werte zum PETG drucken
Die folgende Tabelle zeigt dir gängige Startwerte. Prüfe trotzdem immer die Angaben auf deiner Spule, denn jede Mischung verhält sich etwas anders.
| Einstellung | Typischer Startwert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 230 – 250 °C |
| Druckbett | 70 – 85 °C |
| Bauteillüfter | 30 – 50 %, erste Schichten aus |
| Geschwindigkeit | 40 – 60 mm/s, erste Schicht 20 – 25 mm/s |
| Retraction | 0,5 – 1,5 mm (Direct Drive), 3 – 5 mm (Bowden) |
| Gehäuse | nicht nötig |
| Trocknen | 65 °C für 4 – 6 Stunden |
Düsentemperatur richtig wählen
Starte am besten bei 235 °C und drucke einen Temperaturturm. Ist die Düse zu kalt, haften die Schichten schlecht aneinander. Zu heiß führt dagegen zu Fäden und glänzenden, weichen Kanten. Erhöhe oder senke die Temperatur deshalb in 5-Grad-Schritten. Für stabile Funktionsteile wählst du eher das obere Ende des Bereichs.
Betttemperatur und Unterlage
PETG braucht ein beheiztes Druckbett mit 70 – 85 °C. Damit hält die erste Schicht sicher, und die Ecken bleiben flach. Höher solltest du nicht gehen, weil das Material sonst an der Unterseite weich wird. Zudem steigt die Gefahr, dass der Druck zu fest klebt.

PETG drucken mit dem richtigen Lüfter und Tempo
Bei PLA läuft der Lüfter meist auf 100 %. Beim PETG drucken ist weniger dagegen mehr. Zu viel Kühlung schwächt nämlich die Verbindung zwischen den Schichten. Stelle den Bauteillüfter deshalb auf 30 – 50 % ein. Für die ersten zwei bis drei Schichten schaltest du ihn ganz aus.
Auch beim Tempo lohnt sich Geduld. PETG fließt zäher als PLA und braucht etwas Zeit zum Schmelzen. Mit 40 – 60 mm/s erreichst du eine saubere Oberfläche. Schneller geht es zwar, allerdings brauchst du dann meist eine höhere Temperatur.
Die erste Schicht: Z-Offset und Haftung
Bei PLA quetschen viele die erste Schicht kräftig ins Bett. Für PETG ist das ein Fehler. Das Material sammelt sich sonst an der Düse und bildet Klumpen. Erhöhe den Z-Offset daher um etwa 0,02 – 0,05 mm. Die erste Bahn soll aufliegen, aber nicht platt gedrückt werden. Wie du den Abstand sauber einstellst, zeigt unser Beitrag zum Druckbett leveln.
Ein zweites Problem kennen viele erst nach dem ersten Druck: PETG haftet extrem stark auf PEI und Glas. Im schlimmsten Fall reißt es beim Ablösen Stücke aus der Oberfläche. Nutze deshalb ein Trennmittel. Eine dünne Schicht Klebestift oder Glasreiniger reicht oft aus. Alternativ legst du Blue Masking Tape auf das Bett. Lass die Platte außerdem vollständig abkühlen, bevor du das Teil abnimmst.
Fäden vermeiden: Retraction beim PETG drucken
Stringing ist das bekannteste Problem beim PETG drucken. Das Material bleibt lange zäh und zieht beim Verfahren dünne Fäden. Mit diesen Einstellungen bekommst du das in den Griff:
- Retraction-Länge: 0,5 – 1,5 mm bei Direct Drive, 3 – 5 mm bei Bowden.
- Retraction-Geschwindigkeit: 25 – 40 mm/s. Zu schnell zermahlt das Filament.
- Temperatur senken: Gehe in 5-Grad-Schritten nach unten.
- Combing aktivieren: Der Kopf fährt dann möglichst innerhalb des Modells.
- Verfahrgeschwindigkeit erhöhen: 150 mm/s oder mehr verkürzen die Zeit für Fäden.
Zu lange Retraction verursacht übrigens Verstopfungen, weil PETG im kalten Bereich der Düse erstarrt. Weitere Lösungen findest du im Beitrag Wieso zieht mein Filament Fäden.
Filament trocknen vor dem Druck
PETG nimmt Feuchtigkeit schneller auf als PLA. Feuchtes Filament knistert in der Düse und zieht noch mehr Fäden. Zudem wird die Oberfläche rau und matt. Trockne deine Spule deshalb bei 65 °C für vier bis sechs Stunden. Dafür eignet sich ein Filamenttrockner oder ein Backofen mit genauer Temperaturregelung. Lagere das Filament anschließend in einem Beutel mit Trockenmittel.
Überhänge und Brücken
Weil der Lüfter langsamer läuft, hängen Überhänge bei PETG eher durch. Plane Stützstrukturen deshalb schon ab etwa 45 Grad ein. Für Brücken erhöhst du den Lüfter kurzzeitig auf 80 – 100 %. Viele Slicer bieten dafür eine eigene Einstellung. Zusätzlich hilft eine langsamere Brückengeschwindigkeit von etwa 20 – 30 mm/s.
Typische Probleme beim PETG drucken
Die folgende Übersicht hilft dir, Fehler schnell zu erkennen und zu beheben:
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Fäden (Stringing) | zu heiß, zu wenig Retraction, feuchtes Filament | Temperatur senken, Retraction anpassen, Filament trocknen |
| Blobs und Klumpen | Düse zu nah am Bett, Material sammelt sich | Z-Offset erhöhen, Düse reinigen, Coasting testen |
| Haftung zu stark | glattes PEI oder Glas ohne Trennmittel | Klebestift oder Masking Tape nutzen, Bett abkühlen lassen |
| Haftung zu schwach | Bett zu kalt, falscher Abstand, Fett auf der Platte | Bett auf 75 – 85 °C, neu leveln, Platte entfetten |
| Schichtablösung | zu viel Kühlung, zu niedrige Temperatur | Lüfter reduzieren, Düse 5 – 10 °C wärmer |
Hält die erste Schicht gar nicht, lies unseren Ratgeber Wieso haftet mein Filament nicht auf dem Druckbett.
PETG im Vergleich
PETG liegt zwischen PLA und ABS. Es ist zäher und hitzebeständiger als PLA, aber deutlich einfacher zu drucken als ABS. Die Unterschiede im Detail zeigt dir der Vergleich PLA und PETG. Suchst du dagegen ein Material für Stützstrukturen, lohnt der Blick auf HIPS vs. PETG.
Unsere PETG Filamente
Gutes Material macht das Drucken deutlich leichter. Bei NuNus findest du PETG mit 1,75 mm Durchmesser in mehreren Varianten:
- PETG 1,75 mm 1 kg (Prof. Lab) – unser Preis-Leistungs-Tipp: hochfest, für 220 – 240 °C Düse und 80 – 90 °C Bett.
- NuNus PETG Filament 1,75 mm – für 230 – 255 °C Düse und 60 – 80 °C Bett, druckbar mit 40 – 120 mm/s.
- Feuerfeste Unterlage für 3D-Drucker – sorgt für einen sicheren, rutschfesten Stand.
Alle Varianten findest du gesammelt in unserer Kategorie PETG Filament.
Checkliste für deinen PETG-Druck
- Filament trocken? Sonst zuerst bei 65 °C trocknen.
- Bett gereinigt und mit Trennmittel versehen?
- Z-Offset leicht erhöht?
- Düse auf 230 – 250 °C, Bett auf 70 – 85 °C?
- Lüfter auf 30 – 50 %, erste Schichten ohne Kühlung?
- Retraction kurz und Combing aktiv?
- Stützen ab 45 Grad eingeplant?
Häufige Fragen zu PETG
Warum zieht PETG Fäden?
PETG bleibt nach dem Schmelzen lange zähflüssig. Wenn die Düse über offene Bereiche fährt, tropft deshalb Material nach. Meist ist die Temperatur zu hoch oder das Filament feucht. Senke die Temperatur und trockne die Spule, dann verschwinden die meisten Fäden.
Welche Temperatur braucht PETG?
Für die Düse sind 230 – 250 °C üblich, für das Bett 70 – 85 °C. Orientiere dich aber immer an den Angaben auf der Spule. Ein Temperaturturm zeigt dir schnell den besten Wert.
Braucht PETG ein beheiztes Bett?
Ja, ein beheiztes Bett ist sehr zu empfehlen. Ohne Wärme haftet die erste Schicht kaum, und größere Teile lösen sich an den Ecken. Mit 70 – 85 °C bist du auf der sicheren Seite.
Kann man PETG ohne Gehäuse drucken?
Ja, das klappt in der Regel problemlos. PETG verzieht sich nur wenig und riecht kaum. Vermeide jedoch starke Zugluft, denn sie kühlt große Teile ungleichmäßig ab.
Fazit: Mit den richtigen Einstellungen gelingt PETG sicher
Mit moderater Kühlung, leicht erhöhtem Z-Offset und trockenem Filament wird PETG zum zuverlässigen Material für Funktionsteile. Kurz gesagt: Wenige Anpassungen genügen, damit das PETG drucken genauso entspannt läuft wie bei PLA. Teste die Werte aus der Checkliste und entdecke jetzt unser PETG Filament in Premium-Qualität.