
ABS und ABS+ klingen fast gleich, verhalten sich im 3D-Druck aber spürbar unterschiedlich. Vor allem bei Warping, Zähigkeit und Druckverhalten hat ABS+ die Nase vorn. In diesem Vergleich erfährst du, was hinter dem Plus steckt und welche Eigenschaften ABS+ Filament hat. Außerdem zeigen wir dir, wann sich der Griff zu ABS+ lohnt und welche Alternativen es gibt.
Was ist ABS?
ABS steht für Acrylnitril-Butadien-Styrol. Der Kunststoff besteht also aus drei Bausteinen. Acrylnitril sorgt für Festigkeit, Butadien macht ihn zäh und Styrol liefert eine glatte Oberfläche. Im Alltag begegnet dir ABS zum Beispiel in LEGO-Steinen, Gerätegehäusen und Autoteilen.
Im 3D-Druck ist ABS ein Klassiker für robuste und hitzebeständige Bauteile. Allerdings schrumpft es beim Abkühlen stark und verzieht sich deshalb leicht. Alle Details zum Material findest du in unserem großen ABS Ratgeber.
Was ist ABS+ Filament (ABS Plus)?
ABS+ ist kein eigener Kunststoff, sondern eine optimierte ABS-Mischung. Die Hersteller ergänzen das Grundmaterial mit Zusätzen, damit es sich leichter drucken lässt. Dabei ist das Ziel meist weniger Verzug, bessere Schichthaftung und mehr Zähigkeit. Oft liest du dafür auch die Bezeichnung ABS Plus. Deshalb ist ABS+ Filament im Kern also immer noch ABS, nur eben optimiert.
Wichtig zu wissen: Der Begriff ist nicht genormt. Jeder Hersteller nutzt also seine eigene Rezeptur. Deshalb lohnt sich immer ein Blick auf die Angaben der jeweiligen Spule. Die Grundeigenschaften von ABS bleiben jedoch erhalten.

ABS und ABS+ Filament im direkten Vergleich
In der folgenden Tabelle siehst du die typischen Unterschiede auf einen Blick. Die Werte sind Richtwerte, denn jede Mischung verhält sich etwas anders.
| Eigenschaft | ABS | ABS+ |
|---|---|---|
| Material | Standard-ABS | optimierte ABS-Mischung |
| Drucktemperatur (Düse) | ca. 230 – 255 °C | ca. 220 – 250 °C |
| Druckbett | ca. 90 – 110 °C | ca. 95 – 110 °C |
| Hitzebeständigkeit | ca. 85 – 100 °C | ähnlich wie ABS |
| Dichte | ca. 1,04 – 1,06 g/cm³ | ähnlich wie ABS |
| Verzug (Warping) | hoch | geringer |
| Schichthaftung | gut | meist besser |
| Zähigkeit | gut | meist höher |
| Geruch beim Drucken | deutlich | deutlich, oft etwas schwächer |
| UV-Beständigkeit | gering | gering |
Die wichtigsten Unterschiede zwischen ABS und ABS+
Auf dem Papier wirken beide Materialien sehr ähnlich. Im Druckalltag merkst du die Unterschiede jedoch schnell. Hier die wichtigsten Punkte im Detail.
Weniger Warping bei ABS+
Die größte Schwäche von Standard-ABS ist der Verzug. Beim Abkühlen entstehen Spannungen, sodass sich Ecken vom Bett lösen. ABS+ schrumpft dank der optimierten Rezeptur meist weniger. Dadurch gelingen auch größere Teile zuverlässiger. Ein Gehäuse bleibt trotzdem sinnvoll, vor allem bei großen Objekten.
Bessere Schichthaftung und Zähigkeit
Viele ABS+ Mischungen verbinden die einzelnen Schichten stärker, weil Zusätze den Materialfluss verbessern. Folglich reißen hohe Bauteile seltener auf. Außerdem sind sie oft etwas zäher und schlagfester. Für Clips, Halterungen und Funktionsteile ist das ein klarer Vorteil.
Oberfläche und Nachbearbeitung
ABS+ liefert häufig eine gleichmäßigere Oberfläche mit weniger Rissen. Beim Nachbearbeiten gibt es dagegen kaum Unterschiede. Beide Varianten kannst du schleifen, bohren, lackieren und mit Aceton kleben. Auch das Glätten mit Acetondampf funktioniert bei beiden.
Hitze und Chemikalien
Bei der Hitzebeständigkeit liegen ABS und ABS+ nah beieinander. Beide bleiben bis etwa 85 – 100 °C formstabil. Auch bei der chemischen Beständigkeit gibt es keinen grundsätzlichen Unterschied. Ob eine bestimmte Mischung hier besser abschneidet, hängt vom Hersteller ab.
Geruch beim Drucken
ABS und ABS+ setzen beim Schmelzen Dämpfe frei, die vor allem nach Styrol riechen. Manche ABS+ Mischungen riechen etwas weniger stark. Lüfte trotzdem immer gut und stell den Drucker nicht ins Schlafzimmer. Ideal ist ein Gehäuse mit Filter oder Abluft. Mehr dazu liest du im Beitrag über Gerüche beim ABS-Druck.
ABS+ Filament drucken: die richtigen Einstellungen
Für beide Varianten kannst du mit ähnlichen Werten starten. Beachte dabei immer die Angaben auf deiner Spule.
- Düse: 230 – 250 °C, bei ABS+ oft etwas niedriger möglich.
- Druckbett: 95 – 110 °C für eine sichere erste Schicht.
- Lüfter: aus oder höchstens 10 – 20 %, damit die Schichten gut verschmelzen.
- Geschwindigkeit: 40 – 60 mm/s, die erste Schicht langsamer.
- Haftung: PEI oder Polyimid-Tape mit 120 mm Breite, dazu ein Brim.
- Bauraum: geschlossen und ohne Zugluft.
Wie du das Band richtig nutzt, zeigt dir unser Beitrag zu Kapton Tape Anwendungen. Löst sich dein Druck trotzdem, hilft der Ratgeber Wieso haftet mein Filament nicht. Oft liegt das Problem zudem am Düsenabstand. In diesem Fall solltest du das Druckbett neu leveln.
ABS oder ABS+: Wann nimmst du was?
Bei der Wahl zwischen ABS und ABS+ kommt es vor allem auf deinen Drucker und dein Projekt an. Diese Faustregeln helfen dir dabei.
Nimm ABS, wenn …
- du einen geschlossenen Drucker hast und ABS bereits gut beherrschst.
- deine Teile eher klein und flach sind.
- du bewährte Einstellungen für ein bestimmtes Standard-ABS nutzt.
Nimm ABS+, wenn …
- du mit Warping oder Schichtrissen kämpfst.
- große oder hohe Funktionsteile auf deinem Plan stehen.
- dir Zähigkeit und Schlagfestigkeit besonders wichtig sind.
- du vom PLA kommst und einen leichteren Einstieg in ABS suchst.
Kurz gesagt: ABS+ ist für die meisten Anwender die komfortablere Wahl. Standard-ABS bleibt dagegen eine solide Option für erfahrene Nutzer mit Gehäuse.
Alternativen zu ABS+ Filament
Nicht jedes Projekt braucht ABS. Je nach Einsatz gibt es nämlich passende Alternativen:
- ASA: ähnlich wie ABS, aber UV-stabil und damit ideal für draußen. Mehr dazu im Vergleich ABS und ASA.
- PLA: viel einfacher zu drucken, hält aber kaum Wärme aus. Lies dazu ABS und PLA im Vergleich.
- PETG: riecht kaum und braucht kein Gehäuse. Einen Überblick gibt unser PETG Ratgeber.
Du bist dir noch unsicher? Dann hilft dir unser Ratgeber Welches Filament wofür? weiter.
ABS+ Filament kaufen bei NuNus
Achte beim Kauf auf eine enge Toleranz, eine saubere Wicklung und eine trockene Verpackung. Bei NuNus findest du ABS+ mit 1,75 mm Durchmesser:
- ABS+ Filament 1,75 mm 1 kg – stabil und langlebig mit ± 0,03 mm Toleranz. Es druckt bei 220 – 250 °C und einem Bett von 95 – 110 °C.
Für Outdoor-Teile greifst du dagegen besser zum UV-stabilen NuNus ASA.
Häufige Fragen zu ABS+ Filament
Was bedeutet ABS+?
ABS+ bezeichnet eine verbesserte ABS-Mischung. Zusätze sorgen meist für weniger Verzug, bessere Schichthaftung und mehr Zähigkeit. Der Begriff ist allerdings nicht genormt, sodass sich Mischungen je nach Hersteller unterscheiden.
Welche Eigenschaften hat ABS+ Filament?
ABS+ ist hitzebeständig bis etwa 85 – 100 °C, schlagfest und zäh. Außerdem verzieht es sich weniger als Standard-ABS. Wie ABS braucht es ein heißes Druckbett und ist nur gering UV-beständig.
Ist ABS+ schwerer zu drucken als ABS?
Nein, meist ist es sogar einfacher. Denn durch den geringeren Verzug gelingen Drucke zuverlässiger. Trotzdem brauchst du ein beheiztes Bett und idealerweise ein Gehäuse.
Kann ich ABS+ mit ABS-Einstellungen drucken?
Ja, als Startpunkt funktioniert das gut. Teste anschließend die Düsentemperatur in 5-Grad-Schritten. Oft reicht bei ABS+ eine etwas niedrigere Temperatur.
Fazit: ABS+ ist das komfortablere ABS
ABS und ABS+ teilen dieselbe Basis und halten ähnlich viel Hitze aus. ABS+ verzieht sich jedoch weniger und haftet zwischen den Schichten besser. Deshalb ist ABS+ Filament für die meisten Projekte die bequemere Wahl. Standard-ABS lohnt sich vor allem, wenn du es bereits sicher beherrschst. Entdecke jetzt unser ABS+ Filament für robuste Funktionsteile.